Archiv der Kategorie: Grasdackel

Für Zinsen muss man arbeiten

Sind 0% Zinsen für 1000€ etwas wert?

Vor kurzer Zeit erreichte mich eine Mail, in der mir 1000€ Fremdkapital zu 0% Zinsen angeboten wurden, Rückzahlbar über 36 Monaten in gleichen Raten zu 28€. Wer hier genau nachrechnet kommt auf 1.008€ (36*28€), was de facto eine Bearbeitungsgebühr von 8€ über 3 Jahre bedeutet. In einer größeren Runde am Mittagstisch erwähnte ich dies beiläufig, was die Anwesenden in zwei Lager spaltete:

  1. Das rentiert sich doch nicht, 1000€ sind nichts.
  2. Was? Wo? Kannst Du mir das schicken?

Sodele, was soll man nun davon halten? Schauen wir uns die Aspekte des ersten Lagers einmal genauer an.

1000€ sind..

  • bei einem Mindestlohn von 8,50€ der Gegenwert von 117,65h Arbeit. Heute, zum Preis von etwas weniger als einer Stunde Arbeit (8€ Gebühr). Das bedeutet theoretisch, dass man sich seine Arbeit in einem gewissen Rahmen verzinsen kann? Das ist neu für Lohn- oder Gehaltsempfänger.
  • bei einem Zinssatz von 1% auf dem Tagesgeldkonto 10€ Zinsen pro Jahr. Das heißt 30€ in 3 Jahren ohne Zinseszins, abzüglich von 8€ macht das 22€ Zinsertrag. Geschenkt.
  • bei der Ablösung eines teuren Dispos unterschiedlich viel gesparte Zinsen:
    • 17,76% –> 177,60€ – 8€ = 169,60€
    • 12,56% –> 125,60€ – 8€ = 117,60€
    • 8,04%   –>   80,40€ – 8€ = 72,40€
    • 4,00%   –>   40,00€ – 8€ = 32€
  • analog für Hypothekenschulden durchgerechnet bei einer außerordentlichen Rückzahlung (i.d.R. sind bis 20.000€ p.a. kostenfrei durchführen, von einer kürzeren Restlaufzeit ganz zu schweigen).
  • wieder analog bei der berühmten 0%-Finanzierungen können Sie den Händler fragen wie hoch der Kaufpreis ist, wenn Sie das Produkt in bar zahlen. Das empfiehlt sich aber nur für Leute die trauen sich nachzufragen um selbst einen Vorteil zu haben. Alle anderen lassen das Geld lieber auf dem Tisch. Oder bei der Bank die günstiges Kapital anbietet.
  • eine Alternativ für einen selbstgebauten Wertpapiersparplan über drei Jahre, bei dem Sie Wertpapieren en bloc erwerben, die eine höhere jährliche Verzinsung als 0,26% anbieten (wie bei einer Vielzahl von Dividendenaktien). Damit befinden Sie sich nun bereits in der Gewinnzone und fahren besser als der günstigste Sparplan über drei Jahre, weil Sie nur einmalig Transaktionskosten bezahlen, trotz der monatlichen Raten.
  • ein schönes Geschenk für die Enkel, aber bitte nicht für die Bank.

Und wo bekommt man den kleinen Topf voll Gold?

Über die Werbung. Allerdings mal nicht im Blättle das Wochenende unseren Konsum bestimmt.

Aber was red ich, Zinsen sind böse, selbst wenn Sie 0,0% betragen. Für alle die die Relation noch nicht begriffen haben: Das ist weniger als es beim Sparbuch gibt, selbst wenn man am Weltspartag einzahlt.  

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Das Gewinnspiel der Fortuna

Kennen Sie das? Am Ende des Geldes ist noch soviel Monat übrig und sie nehmen sich jedesmal fest vor, dass Sie nächsten Monat wirklich mit dem sparen anfangen. Oder Ihre Versicherungen überprüfen. Oder sich um einen günstigeren x-beliebigen Vertrag kümmern. Morgen, nicht heute. Weil Sie aufschieben. Und eigentlich wissen Sie es, sie verpacken es aber nett und sozialverträglich um ein Gemeinschaftsgefühl mit all denjenigen zu generieren, denen es auch so geht.

Das finanzielle Luftschloss

Wissen Sie wie man das nennt? Ein Luftschloss. Es zeichnet sich dadurch aus dass nur darüber geredet wird, mit heißer Luft, aber niemand unternimmt etwas um einen ersten Spatenstich zu unternehmen. Und Sie haben an dieser Stelle noch nicht probiert einen Spatenstich auf Wolke Sieben zu setzen, geschweige denn über eine solide Finanzierung (wie klassisch mit einem Bausparvertrag) nachgedacht. Vielleicht hätten Sie dem netten jungen Mann von der Bausparkasse davon erzählen sollen. Er hätte Ihnen sicher ein erstes Sparziel von einer Million Euro angesetzt (bedenkt man die Abschlussprovision von 1% der Bausparsumme ist der junge Mann vergleichsweise bescheiden beim Bau eines Schlosses).

Vielleicht haben Sie sich überlegt wie viele Türme oder Fenster es haben soll, in welcher Form, und was das Heizen kosten möge wenn es dort droben ein wenig windet und zieht. Aber die Aussicht darauf ist verführerisch. Mehr nicht.

Träume sind etwas wunderbares, man sollte sie aber nicht als Ausrede für eigene Schwächen missbrauchen. Jeder der einen gewissen Geldbetrag für Urlaub, Auto oder ein Meer von Blumen (haben Sie mal ausgerechnet wie viele Rosen Mann als Bräutigam braucht, wenn der Weg zum Altar damit bedeckt werden soll?) benötigt, muss den ersten Schritt tun, im hier und jetzt. Richten Sie sich einen einfachen Sparplan ein, eine monatliche Ãœberweisung die am Monatsanfang mit allen anderen Verpflichtungen abgeht auf ein separates Konto. Ein Konto, das sie für ihre alltäglichen Bankgeschäfte nicht in Betracht ziehen. Es ist unsichtbar. Unsichtbar bis zu dem Moment, indem Sie Träume wahr machen möchten, dann schauen Sie drauf. Dann freuen Sie sich. Und dann seien Sie stolz. Denn alles andere ist:

Finanzielle Freiheit basierend auf einem fiktiven Lottogewinn

Ein Lottogewinn ist wie ein Luftschloss, die Aussicht darauf lässt einen Träumen und man vergisst seine Sorgen. Das ist wunderbar. Als Betriebswirt kann man die Lotterie zynisch als Steuer für Arme bezeichnen. Wieso?

Die Zielgruppe dieses staatlichen Monopols sind diejenigen, die Träume am meisten brauchen um sich über die Zeit zu retten, die Armen. Träumen ist einfacher als etwas zu unternehmen oder zu wagen, damit lässt sich Geld verdienen. Das wissen nicht nur die Bettler in den Innenstädten. Die meisten Menschen könnten ihre Situation (wenn wir höhere Gewalt wie z.b. Gesundheitszustände herauslassen) verbessern, wenn sie nur etwas dagegen unternehmen würden. Aber Sie kaufen lieber ein Lotterielos, die Aussicht auf eine Besserung. Die Aussicht auf ein Wunder. Manche kaufen auch kein Los und wundern sich, dass sie immer nur Pech haben und nie im Lotto gewinnen. Dafür gewinnt der Staat, steuerfrei und ohne Konkurrenz.

Der Vergleich mit der statistischen Wahrscheinlichkeit zwischen “Vom Blitz-getroffen-werden” und dem sagenumwobenen Lottogewinn hat sicher schon so einen Rauschebart, das er aufgerollt als Aufstieg zum Luftschloss reicht. Aber probieren wir etwas anderes um die reelle Aussicht darauf zu verbessern. Nehmen wir eine größere Gewinnchance. Weil die Gewinnchance kleiner ist, ist der absolute Gewinn natürlich kleiner. Aber er ist -wie die Ökonomen es lieben- größer null, und damit ist er es wert dass man es versucht. Wenig ist besser als nichts. Wir spielen hier auch nicht gegen den Staat, sondern gegen Unternehmen, das heißt Sie können mehrmals teilnehmen in diesem Konkurrenzkampf. Und weil die Konkurrenz so groß ist, ist auf der Preis für ein Los geringer: Null Euro.

Fortunas Gewinnspiel

Sie haben sich also dazu entschieden Ihr Glück zu testen? Desillusionieren Sie sich bitte nicht, wenn sie nicht gewinnen, sondern freuen Sie sich darüber, dass Sie einen Lottoschein gespart haben. Hier ist mein Vorschlag:

Sie nehmen an jedem dieser Gewinnspiele (kostenlos) teil und legen das Geld, dass Sie im Gegenzug bei der staatlichen Lotterie gespart haben zur Seite (G’spart sich verdient!). Und dann kommen Sie die nächste Woche wieder, und spielen hier wieder mit. Sie zahlen wieder den fiktiven Lottoeinsatz auf ein separates Konto ein. Gleichzeitig können Sie hier gewinnen. Mehrfach. Die Gewinnchancen sind beträchtlich besser als im Lotto. Zusätzlich wird ihr Spieleinsatz verzinst. Mit Spannung, Spaß, Mitfiebern und Spiel, jede Woche. Klingt fair? Ja, so können Sie nur gewinnen:

Gewinnspiele und ein besseres Leben im Internet

Und wenn Sie dann gewonnen haben…

Dann schreiben Sie mir einen Kommentar dass das möglich ist. Und ich soll nicht so zynisch sein. Aber Sie können auch ein Bild von ihrem neuen Auto posten, dass Sie auf die eine oder andere Art gewonnen haben, das überlass ich Ihnen.

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Schwaben schaffen

Wie die Blöden

Klischees sind eine tolle Sache. Man kann sie immer benutzen zum schubladisieren, man erspart sich das denken, spart ein Haufen Zeit und letzten Endes ist es eine praktische Art und Weise zu kategorisieren. Ganz abgesehen davon, dass man mit Klischees immer die Stammtischhoheit gewinnt und man sich reflektierter Diskussion ersparen kann, weil jeder eine Geschichte von jemandem kennt, dem genau das so widerfahren ist. Oder auf die schwäbische Art und Weise: Schaffen, ned schwätzen! Schwaben schaffen weiterlesen

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Weltneuheit: Das Spätzle Abo!

Die Schwaben wurden groß, durch Spätzle mit Soß’!

Generationen von Schwaben haben darüber gestritten, ob geschabte oder gepresste Spätzle besser schmecken, oder gar die gekauften! Laut darf man das natürlich nicht sagen, aber es hat auch Vorteile.. z.B. kann man in diesem Internet ein Spätzleabo abschließen, so dass man immer genügend Spätzle im Haus hat. Clever, oder? Weltneuheit: Das Spätzle Abo! weiterlesen

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Sodele, jetzetle

Nu is es gschafft!

Es mag eine Reihe von Leuten geben, die sich einem Studium der Betriebswirtschaft widmen und sich die ganze Zeit fragen, wo die Grundlage des zu vermittelnden Menschenbilds eigentlich zu finden sei. Sie selbst würden sich wohl nicht als selbigen bezeichnen, und so blicken sie zum rechts sitzenden Kommilitonen, aber finden weder hier, noch beim linken Beisitzer einen Vertreter, denn leider existiert der homo oeconomicus nur in der Literatur. Während meines Studienlaufs kam ich nicht umhin auf Vertreter der Schwäbischen Denkweise zu treffen, was ein paar interessante Beobachtungen, gerade im Kontext der klassischen Betriebswirtschaftslehre zuließ.

So lässt sich verknappt sagen, dass der Komparative Konkurrenzvorteil des Schwaben darin abzeichnet, dass er es vermag, Kosten in Erträge umzuwandeln. Empirisch lässt sich das mit gehäufter Regelmässigkeit bei einem Besuch auf der Königsstraße der Hauptstadt des Sparens (Stuttgart) beobachten, wo ein mundartlich geprägtes Sale (eine Abwandlung des linksrheinischen Salut) den Kunden mit Prozenten jenseits eines Bankkontos lockt. Im (gefühlten) Ergebnis  verlassen diese gute Leut’ das Geschäft reicher als sie es betreten haben, großartig, nicht? Diese win-win-Situation für Käufer und Verkäufer ist im angelsächsischem Raum als “Harvard-Konzept” bekannt, das alle Parteien in einem Geschäft als Sieger hervorgehen. Das ist gut für die Häuslebauer, damit sie brav weiter ihre Raten zahlen können, und gut für die Konjunktur, da Geld fließen muss. Eine solches Verhalten wird im europäischen Kontext gar zum Vorbild stilisiert, so dass die schwäbische Hausfrau einer Angela Merkel als ultima ratio für die Haushaltsfragen Europas gilt und eine Balance zwischen Sparzwängen und exzessiven Ausgaben herstellt.

Getreu dem Motto:
Es wird gespart, koste es, was es wolle!

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